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Das Weinloch

Zwischen Schönberg und Gronau führt der Höhenweg nach Knoden. Nahe bei diesem Weg, gleich hinter dem Schönberger Wald, liegt eine tiefe, mit Bäumen bestandene Schlucht, die im Volksmund „das Weinloch“ genannt wird. Damit hat es folgende Bewandtnis:

Vorzeiten, als die Gronauer noch alljährlich den Zehntwein auf das Schloß in Schönberg liefern mußten, war ein besonders guter Herbst. Er brachte einen Wein, wie es seit Menschengedenken keinen mehr gegeben hatte. Von diesem edlen Tropfen dem Grafen von Schönberg auch nur einen Liter zu geben, schien den Gronauern eine Sünde, und sie überlegten, wie sie sich dieser verhaßten Abgabe entziehen könnten. Bald hatten sie eine Lösung gefunden. Sie füllten das große Zehntfaß mit gewöhnlichem Wasser, spannten die Ochsen vor den Wagen und fuhren es die Höhe hinauf Richtung Schönberg. Als sie auf dem Höhenweg am Rande der Schlucht angekommen waren, hielten sie das Fuhrwerk an und stürzten das gefüllte Fass in den Abgrund hinab, dass es zerschellte. Rasch eilte einer der Bauern nach Schönberg zum Grafen, um ihm zu melden, dass der Zehntwein durch einen Unglücksfall ausgelaufen sei. Der Graf war zwar von dieser Nachricht wenig erfreut, konnte aber an der Tatsache nichts mehr ändern. Auf diese Weise behielten die Bauern ihren guten Wein. Die Schlucht aber hieß von diesem Tage an das Weinloch.

Entnommen aus „Sagen aus dem Kreis Bergstrasse“ von Richard Matthes